Akute traumatische Erfahrungen – richtig handeln
Eine akute traumatische Erfahrung – was jetzt wichtig ist
Nach einer akuten traumatischen Erfahrung gerät vieles aus dem Gleichgewicht.
Ein Unfall, ein plötzlicher Verlust, Gewalt, ein medizinischer Notfall oder eine andere extrem belastende Situation können das innere System schockartig überfordern.
Wichtig zu wissen ist:
Nach einer traumatischen Erfahrung setzt sofort ein natürlicher Verarbeitungs- und Heilungsprozess ein.
So wie der Körper nach einer Verletzung automatisch mit Heilung beginnt, aktiviert auch die Psyche ihre Selbstregulationsmechanismen.
Normale Reaktionen nach einem Trauma
Die folgenden Reaktionen sind häufige, normale Reaktionen auf eine unnormale Erfahrung. Sie dürfen auftreten – und sie dürfen da sein.
- Gefühllosigkeit, Erstarrung, innere Kälte
Viele Menschen reagieren zunächst ohne spürbare Emotionen. Das Nervensystem schützt sich vor Überforderung. - Wiederkehrende Gedanken oder Bilder
Das Erlebte drängt sich immer wieder auf. Das ist Teil der Verarbeitung – kein Zeichen von Kontrollverlust. - Redebedürfnis oder Rückzug
Manche Menschen möchten viel erzählen, andere brauchen Stille. Beides ist richtig. - Träume oder Alpträume
Das Gehirn verarbeitet Erlebnisse häufig im Schlaf. - Vermeidung und Erschöpfung
Rückzug, Müdigkeit oder ein „wie-neben-sich-Stehen“ sind typische Regulationsversuche des Systems. - Schuld- oder Selbstvorwürfe
Auch diese Gedanken können Teil des inneren Suchens nach Ordnung sein.
Wie lange dauern diese Prozesse?
Diese Verarbeitungsprozesse dauern in der Regel 2 – 8 Wochen, manchmal auch bis zu einem halben Jahr. In dieser Zeit sind all diese Reaktionen völlig normal.
Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus, diese Phasen zu durchlaufen und jeder Mensch braucht seine ganz individuelle Verarbeitungszeit.
Solange die Symptome langsam nachlassen, spricht das für eine gelingende Verarbeitung.
Wann Unterstützung sinnvoll ist
Während die oben genannten Symptome innerhalb der ersten Wochen – bis zu einem halben Jahr – ganz normal sind, so zeigen sie über diese Zeit hinaus an, dass bei der Verarbeitung Unterstützung nötig sein könnte.
Wenn der Verarbeitungsprozess nicht zu einem Ende kommt, die traumatische Situation also nicht verarbeitet und integriert werden kann, dann gehen diese Prozesse weiter und werden zu Symptomen.
Hier sollte ein Spezialist für Traumatherapie gefragt werden, ob eine traumaspezifische Therapie anzuraten ist, oder wie der Verarbeitungsprozess gezielt unterstützt werden kann
Professionelle Hilfe ist ratsam, wenn:
- Sie innerlich dauerhaft nich mehr zur Ruhe kommen
- das Erlebte den Alltag dauerhaft beeinträchtigt
- Gedanken, Bilder oder starke Gefühle nicht weniger werden
- Schlaf, Konzentration oder Beziehungen deutlich leiden
- Sie unsicher sind, ob Ihr Erleben noch im normalen Rahmen liegt
Wie Angehörige unterstützend helfen können
- Ruhe geben – Ruhe vermitteln
- Sicherheit vermitteln und ggf. nach einer Chaoserfahrung eine Zeit lang Struktur übernehmen
- Ablauf der nächsten Stunden und Tage klären oder organisieren
- Rückzugbedürfnis respektieren und in Ruhe lassen, wenn das gewünscht ist
- Für Redebedarf zur Verfügung stehen, wenn dies gewünscht ist.
Mit Redebedarf ist dies wörtlich zu verstehen: Reden und erzählen lassen. Bitte nicht bagatellisieren oder Dinge weg reden, nur weil sie selbst schwer zu ertragen sind - sich informieren, wie man optimal unterstützt und ab wann fachliche Hilfe angezeigt ist
- sich selbst ebenfalls entlasten
Wie ich unterstützen kann
Bei akuten traumatischen Erfahrungen biete ich:
- stabilisierende psychotherapeutische Begleitung
- verständliche Einordnung dessen, was gerade geschieht
- gezielte Unterstützung für Betroffene
- Beratung für Angehörige, wie sie hilfreich begleiten können
Ziel ist es, den natürlichen Verarbeitungsprozess zu entlasten, zu schützen und zu stabilisieren.
Nächster Schritt
Wenn Sie selbst betroffen sind oder einen nahestehenden Menschen unterstützen möchten und unsicher sind, was jetzt richtig ist, melden Sie sich gerne. Schreiben Sie mir hier gerne eine E-Mail oder rufen Sie mich direkt an: 06252 – 674 880.
Lesen Sie hier gerne weiter, wenn Sie mehr über den Unterschied zwischen einem traumatischen Erlebnis und einem Trauma wissen möchten.