Bindung und Trauma

Was erwarb ich bei der Seminarzeit zu „Bindung und Trauma“?

Hier habe ich einen Teil meines Grundlagenwissens über

– Bindungstheorien
– Risiko- und Schutzfaktoren für eine sichere Bindung
– pränatale Traumatisierungen
– Bindlungsverhalten nach frühen Traumatisierungen
– Hirnentwicklung unter normalen und traumatischen Bedingungen

erworben, so daß ich meine dafür spezifischen Therapieformen mit noch mehr Hintergrundwissen einsetzen kann.

Wissenswertes über Bindungstrauma

Hat ein Kind seine Eltern verloren oder waren sie gewalttätig, dann ist die Situation traumatisch, aber eindeutig. Verwirrender ist es, wenn die Eltern zwar da, aber emotional nicht wirklich erreichbar waren.

In den ersten Lebensjahren sind wir darauf angewiesen, dass unsere Bezugspersonen unsere Bedürfnisse erkennen und angemessen sowie feinfühlig darauf reagieren. In der Regel bildet vor allem die Mutter-Kind-Beziehung den Erfahrungshintergrund für spätere Beziehungen.

Auch unser „Selbst“ entwickelt sich aus unseren frühen zwischenmenschlichen Beziehungen. Das verinnerlichte Bindungsmuster prägt unsere Sicht von uns selbst und von der Welt. Eine gute Bindungserfahrung stellt zudem einen Schutzfaktor für eine gesunde psychische Entwicklung dar.

Ein Kind, das eine sichere Bindungserfahrung erlebt hat, wird später auch selbst in der Lage sein, sich auf einen anderen Menschen einzulassen und überdauernde Beziehungen einzugehen. Es traut sich selbst etwas zu und ist in der Lage, anderen Menschen zu vertrauen.

Bekommen wir als Kind nicht den liebevollen Kontakt den wir brauchen, wachsen wir zu einem Menschen heran, der einerseits Kontakt ersehnt und andererseits Angst davor hat. Hinter einer Angst vor Nähe steckt meistens ein sehr großes zuwenig erlebtes Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit.

Wenn Eltern ihre Kinder nicht um ihrer selbst willen lieben können, haben sie meist selbst Erfahrungen damit. Dann haben auch sie ihre Ängste und unerfüllten Kindheitsbedürfnisse vor langer Zeit abspalten müssen.

Verdrängung von dem, was schmerzhaft ist, führt zu jenem Unbewußtsein, bei dem Eltern die Nöte ihres Kindes nicht wahrnehmen können. Denn dann müßten sie ihre eigenen verdrängten Schmerzen fühlen. Und so geschieht, daß auch wenn Eltern mit ihrem Kind täglich zusammen sind, daß das Wahrnehmen der inneren Not ihres Kindes nicht das Bewusstsein der Eltern erreicht.

Die Bindungsforschung hat festgestellt, dass traumatisierte Eltern, die ihre Traumatisierung nicht bewusst aufgearbeitet und integriert haben, mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst wieder bindungsgestörte Kinder „produzieren“. So sind traumatisierte Eltern selbst innerlich oft sehr bedürftig und besonders die Mütter neigen dazu, ihre Kinder für sich zu vereinnahmen. Sie brauchen den Halt ihres Kindes – statt ihn umgekehrt geben zu können.

Betrachten Eltern ihr Kind nicht als eigenständiges Wesen, sondern gewissermaßen als Teil ihres Selbst, dann kann diese Pervertierung elterlicher Fürsorgeverhaltens sich für die Identitätsentwicklung eines Kindes sehr negativ auswirken. Anstelle einer eigenen stabilen Ich-Identität sind sie dann mit der Identität der Mutter oder des Vaters „verstrickt“. Es gibt keine klaren Ich-Grenzen auf beiden Seiten und vor allem das Kind kann auch später als Erwachsener nicht mehr spüren, was wirklich zu ihm gehört. Eine altersgerechte Ablösung aus der symbiotischen Mutter- oder Vaterbindung wird hier oft nahezu unmöglich.

Aus solchen Verstrickungen entstehen lebenslange gegenseitige Abhängigkeiten. Ein eigenes autonomes Leben mit stabiler Partnerschaft, eigener Familie und erfüllendem Berufsleben sind kaum zu verwirklichen, sofern man nicht bewußt aus dieser Abhängigkeitsbeziehung aussteigt.

Neben meinem theoretischen Grundlagenwissen habe ich ein umfangreiches Therapiemethodenanbot, das Ihnen dienen kann Bindungsverletzungen oder -verstrickungen zu verarbeiten, zu verheilen und entsprechend zu beenden.